Nächstes Level

Die letzten Jahre sind wohl ein paar Träume wahr geworden. Es gab jedoch ebenso viele Herausforderungen, die überwunden werden mussten.

Mit unserem Kanarischen Haus hatten wir ganz schön viel zu tun. Wir entschlossen uns, den Bau selbst in die Hand zu nehmen, Schritt für Schritt mit Liebe an die Sache heranzugehen. Währenddessen sind wir schwanger geworden, und unsere Tochter Maya kam im Februar ’24 zur Welt.

Am 24.04.2024 feierten wir unsere sagenhafte, freie, spontane Hochzeit und wurden eine offizielle Familie.

Die ersten Monate als Familie waren magisch und eine wundervolle Zeit. Obwohl wir früher immer regelmäßig den Pferdehof in el Paso besucht haben, ist das mit Kind immer weniger geworden.

Ende des Jahres erreichte uns dann die Nachricht, dass Miriam (Die Besitzerin vom Pferdehof) an dem Krebs gestorben war, der sie schon länger begleitete.

Sie hinterließ eine Nachricht, dass wenn die Pferde nicht auf dem Platz bleiben könnten an uns vererbt werden sollten.

Es war ein ewiger Traum, Pferde zu haben. Obwohl ich mich zum Schluss entschlossen hatte, dass es mir reicht, bei anderen Pferdehöfen mitzuhelfen. Aber wie das Schicksal es so wollte, kamen Marquito und Bonita im Dezember ’24 zu uns. Mein Herz schoss in die Höhe und es fühlte sich einfach richtig an, auch wenn wir noch nicht wussten, wie wir das alles hinbekommen sollten, mit Kind, Pferden, Hund und Baustelle.Ich fühlte dennoch eine tiefe Dankbarkeit und eine Ehre, dass uns Miriam ihre Pferde anvertraute. Dank Niko ihrem Sohn, und ihrem Partner Josef, ging ihr Wunsch auch in Erfüllung. Innerhalb eines Monats gelang es uns, einen Stall zu bauen, damit die Pferde noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch geschützt waren.

Es war ungefähr der ungünstigste Zeitpunkt, um Pferde zu bekommen. Unsere Nerven waren noch von den schlaflosen Nächten mit einem zehn Monate altem Baby beansprucht. Wir sind nicht nur aufgewacht, weil Maya an die Brust wollte, sondern Simon mussten auch vier mal in der Nacht einheizen um es warm zu halten, da die Jurte nicht so gut isoliert ist. Es war einer der kältesten Winter seit 40 Jahren. Wir hatten eine 20 cm dicke Eislandschaft durch einen heftigen Sturm mit Hagel, genau zu Weihnachten. Unsere Weihnachts Bescherung war ziemlich häftig, weil genau an dem Tag einiges zusammen kam.

In jener Nacht ging uns auch noch das Holz aus, weil keiner mit so einem heftigen Winter gerechnet hat und uns die Jahre davor immer weniger Holz gereicht hat. Uns blieb nichts anderes übrig als nasses Holz zu benutzen. Die Dichtung vom Ofen wurde undicht und es qualmte alles zu. Wir suchten Zuflucht im Rohbau vom Steinhaus, wo ein Zimmer so gut wie fertig war und schon Fenster und Türen hatte, nur der Boden noch nicht fertig war. Wir mussten feststellen, dass der Raum mit seinen Steinmauern undicht war und an vielen Stellen Wasser herein kam. Dort war alles klamm und ungemütlich, aber nicht mehr so kalt.

Das Baby im Schneeanzug eingepackt, am Zahnen mit Fieberschüben. Wir wiegten uns stehend und tönend in den Schlaf.

Am nächsten Tag bekamen wir dann wieder ein Geschenk des Himmels: Wir wurden in die benachbarte Touristenunterkunft von unserem Nachbarn und Freund Christian eingeladen und durften dort drei Tage auftanken. Wir nahmen ein langes Bad und heizten ordentlich ein.

Unser guter Freund Leon, der schon für ein paar Jahre mit dem Holzschnitt vorgearbeitet hatte, brachte uns ein paar Samuros mit Holz und eine Dichtung von einem Ofen, den er gerade nicht ganz so dringend brauchte.

Somit waren wir wieder auf Kurs. Nichtsdestotrotz beanspruchten die Pferde erst einmal viel Aufmerksamkeit, und so ging es auf der Baustelle wieder langsamer voran. Eine Nachbarin stelle ihr Pferd auch zu unseren dazu und so bekamen wir zum Glück ein bisschen Hilfe was die Pflege der Pferde anging und auch einen kleinen Zuschuss für unseren Platz.

Zwischen Kind, Pferden, Hund und Baustelle am Jonglieren wollten wir dann im Frühling nochmal einen Versuch wagen und in den unteren Raum einziehen, nachdem Simon einiges an Zeit rein investiert hat.

Wir mussten nach einigen Tagen feststellen, dass ein merkwürdiger Geruch aus der Wand hochzog und wir manchmal schlecht Luft bekamen und dachten, dass es ein Schimmelproblem gab.So sind wir nach ein paar Tagen wieder zurück in die Jurte gekehrt. Simon ist jetzt dabei den Raum noch dichter zu bekommen und die Stellen wo ein komischer Duft reinkam, mit Sanierputz zu verschließen. Ob es wirklich Schimmel war oder nicht wissen wir nicht.

Sobald wir mit der einen Sache abgeschlossen haben kam auch schon wieder das nächste und unser Auto gab den Geist auf und musste in die Werkstatt. Zum Glück war es nichts Ernstes und wir hatten es schnell wieder zurück.

Dann ging langsam unser Erspartes aus, und zum Glück konnten wir uns noch einen kleinen Puffer von der Familie leihen. Simon hatte sich auch vor zwei Jahren einen Bagger gekauft, um an unserem Grundstück besser voran zu kommen. Damit hatte er viel Zeit um Platz zum üben und hat den Bagger ziemlich gut beherrschen gelernt. Er konnte in der Gemeinde einen Bagger Führerschein machen und fing vor kurzem an als Selbstständiger für Privatpersonen zu baggern, um etwas Geld zu verdienen. Gräben ziehen, Löcher graben, Bäume ausreißen und wieder einpflanzen.

Im zweiten Monat seiner Selbstständigkeit ist die Achse vom Bagger gebrochen und die erste große Reperatur steht an. Gleich mal wieder 3000 Euro Kostenvoranschlag. Ungefähr soviel wie er davor mit dem Bagger einnehmen konnte.

Ich schreibe das alles nicht auf, um Mitleid zu bekommen oder nur das Negative zu beleuchten. Es war eine spezielle Energie, die wahnsinnig an unseren Nerven gezehrt hat. Als Mama mit Schlafmangel kam ich definitiv an meine Grenzen. Aber wie das alles gelaufen ist, war ebenso höchst interessant. Irgendwann fängt man an, über jedes neue Problem zu lachen und sich gar nicht mehr so viel daraus zu machen. Simon und ich haben zusammengehalten, und ich glaube, dass all diese Lektionen dazu dienten, unseren Glauben und unsere Beziehung zu testen und zu vertiefen.

Ich bin unglaublich froh, dass ich ein paar Tage bevor die Pferde zu uns kamen, auf eine Methode gestoßen bin namens „Vertrauens-Technik“ von dem Engländer James French. Ich hatte mich direkt bei dem Online-Kurs angemeldet und konnte ab Tag eins mit den Pferden mit dieser Methode arbeiten. Sie basiert auf Vertrauen und Freiwilligkeit. Man arbeitet tatsächlich mehr mit sich selbst, als das Tier trainieren zu wollen. Es geht darum, inneren Frieden zu erzeugen und ihn mit dem Tier zu teilen, um von da aus eine intuitive Beziehung zu aufzubauen. Mit Geduld, Frieden und Beständigkeit soll man regelrecht jedes Ziel erreichen können. Mit einer Meditation hilft man den Tieren Stress loszulassen und zu entspannen, so dass die Tiere tatsächlich in einen Heilungszustand gehen und einem wahres Vertrauen schenken.

Das bedeutet auch, dass man sich seinem eigenen Frust und seiner Ungeduld stellen muss. Auch Wut und Trauer kamen zum Vorschein, genauso wie Euphorie und Ekstase. Und so habe ich gelernt, auch zwischen allen anderen Herausforderungen in unserem Alltag, meinen inneren Frieden zu generieren und zu wahren. Ich bin noch kein Meister darin, aber auf dem Weg dorthin.

Die Arbeit mit den Pferden hat mir unglaublich viel gegeben.Auch Panda hat sich dadurch schon deutlich verändert und ist weniger ängstlich geworden. Auch mit Maya hilft es uns nicht die Nerven zu verlieren. Und ich habe die Methode auch mit meinen eigenen spirituellen Weisheiten kombiniert, wo ich schon angefangen habe, experimentell ein paar intuitive Coachings zu geben. Es war tatsächlich ein kleiner Erfolg und kam gut an. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und einiges in Bewegung bringen können. Das Couching Angebot musste ich dann erstmal auf Eis legen.

Ich hatte mit starker Übelkeit zu kämpfen. Tatsächlich wurden wir wieder schwanger. Unser zweites Kind ist auf dem Weg und wird nächstes Jahr im Mai das Licht der Welt erblicken.

Jetzt wo ich die Übelkeit überwunden habe, bin ich bei der Drei Jährigen Online-Ausbildung für ein Diplom von der „Vertrauens Technick“ eingetragen. Wo man sein Wissen nochmal vertieft und einen genauen Leitfaden an die Hand bekommt, wie man anderen mit ihren Tieren helfen kann. Und so freue ich mich auf alle Menschen und TIere, die in Zukunft zu mir kommen wollen, und ich meine Hilfe anbieten kann. Auch die intuitive Arbeit will ich wieder aufnehmen und Couchings anbieten.

Doch erstmal nutze die Zeit intensiver um mich auf die Geburt vorzubereiten. Ich bin zum Glück auf das Konzept von Hypnobirthing gekommen und habe Lust in der Hinsicht auch mein Wissen weiter zu vertiefen.

Simon schlägt sich wacker und versucht am Haus so gut wie es geht weiter zu kommen, und gleichzeitig sich nicht zu viel Stress zu machen, um die Lust am Bauen nicht zu verlieren. Um dem Rücken auch mal eine Pause zu gönnen, geht es nunmal in dem Tempo voran, wie es für uns bestimmt ist.

So müssen wir uns immer wieder daran erinnern auch mal durchzuatmen und zu entspannen und an das Wichtigste zu erinnern.

Simon spielt als Ausgleich leidenschaftlich in einer Samba Band, die er mit gegründet hat und die Co- Leitung übernommen hat.

Ich geh auch regelmäßig zum Tönen und ins nahe liegende Seminar Haus um bei diversen Workshops für meine Entfaltung mit zu machen. Die Menschen hier auf der Insel geben sich viel Halt gegenseitig und es ist toll ein Teil dieser Community sein zu dürfen. So haben wir beide unsere Ventile und versuchen unsere Projekte und Hobbies in Einklang zu bringen.

Was die Arbeit mit den Jugendlichen angeht durften wir in den letzen Jahren auch immer wieder Anlaufstelle als eine Co Betreuung sein.

Wir fühlen uns mittlerweile auch bereit, jemanden Dauerhaft bei uns aufzunehmen und freuen uns wenn der/die Richtige zu uns findet.

Gerade durfte ich mit Maya einen Monat Auszeit nehmen und meine Familie in Deutschland besuchen. Meine Oma liegt im sterben und ich wollte sie noch ein letzes Mal sehen.

Also lange Rede, ganz viel Sinn. Es geht bei uns drunter und drüber, und wir hoffen, dass diese Energie nächstes Jahr etwas mehr Balance und Harmonie findet. Auf jeden Fall eine Zeit der Transformation und wir haben von vielen Menschen mitbekommen, dass es ihnen ähnlich ging.

Was ich dabei gelernt habe, ist, dass es viele Momente gab, wo ich am liebsten weggerannt wäre. So wie auch davor in meinem ganzen Leben, wenn es mir zu anstrengend wurde. Wie oft ich etwas abgebrochen habe und etwas Neues anfing.

Doch das erste Mal in meinem Leben konnte ich mir nichts Besseres vorstellen, wohin ich rennen könnte. Und es fühlte sich das erste Mal an, als wäre es die ganze Anstrengung wert, durch diesen Schmerz hindurchzugehen. Ich habe erkannt, dass es nichts auf der Welt gibt, wofür es sich mehr lohnen würde, durchzuhalten, als für die eigenen Träume. Eine tiefe Vision, ein ewiger Traum darf sich gerade entfalten. Jeden Schritt entscheide ich mit meinem Herzen und lasse mich leiten. Und auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist, haben wir uns noch nie so lebendig gefühlt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert